Posts Tagged 'Semantische Technologien'

Wieviel Siri gibt es schon?

Vor kurzem haben wir unter Freunden Siri – die Benutzerschnittstelle mit der Spracherkennung – auf dem neuen iPhone 4S getested. Es funktioniert schon gut bei der Frage nach dem Wetterbericht: „Brauche ich heute / morgen einen Regenschirm?“ Siri erkennt also indirekt, was der Benutzer will, indem es die Bedeutung, sprich Semantik, erfasst. Bei anderen Themen gab’s auch mal kompletten Blackout. D.h. der Wow-Effekt ist noch nicht da. Ist ja auch noch in Beta. Kein Wunder also, R2D2 und 3-CPO sind noch nicht am Horizont erkennbar. Trotzdem: könnte es eine Killer-App werden?

Siri hat ein gutes Dutzend Apps im Hintergrund mit denen es kommuniziert: Wetter, Börse, Kalender, Wikipedia, Wolfram, Kontakte, Notizen, etc. (Apps für Suchmaschinen sind nicht dabei). Diese Apps sind sehr gut ausgewählt, weil sie sich auf die am häufigsten verwendeten Use Cases beziehen. Das ist der Ansatz, den man sich wünscht. Jede Nutzung von Siri geht direkt auf die Server von Apple. D.h. Apple baut damit eine gigantische semantische Wissensbasis auf. Wenn das gelingt, könnten Suchmaschinen tatsächlich in Gefahr geraten, da man bei den Top-Rankings doch oft Wikipedia und ähnliche Dienste findet. Nach der 80/20-Regel sind es sowieso sehr wenige Apps, die man immer wieder benutzt. Apple hat die richtigen rausgesucht für den Start.

Die Spracherkennung ist ja noch der einfachste Teil. Das Eigentliche ist es, die Bedeutung zu erfassen, am besten losgelöst von der gerade gesprochenen Sprache, aber abhängig von Person, Ort, Dialekt, etc. Und dann eine korrekte Verlinkung zu existierenden Inhalten im Web zu schaffen. Daher reduziert sich die Frage nach der Killer-App, ob die semantische Wissensbasis von Apple zu einem Wow-Effekt führt. Vorstellen könnte ich mir das schon…

Da die verwendeten Apps unter der Haube von Siri aber sehr wenige sind und zum Teil sogar ausschließlich lokal auf dem Smartphone ablaufen, besteht eigentlich kein zwingender Grund für jede Anfrage zum Apple Server zu gehen: außer man möchte richtig viele Informationen sammeln. Die Informationen, die Apple hier sammelt, sind by Nature höherwertig als diejenigen, die typischer Weise von Suchmaschinen gesammelt werden.  Grund: die Anfragen an Siri sind unmittelbare spontane Sätze in menschlicher Sprache; näher ans Natürliche geht nicht. Suchmaschinen auf der anderen Seite fordern bisher noch die Eingabe von syntaktischer, vorstrukturierter Text-information. Klar, auch hieran kann man Semantik knüpfen, aber eben deutlich weniger hochwertig wie bei Apple Siri. Suchmaschinen haben auch heute schon natürlichsprachliche Erweiterungen und vernetzte Anwendungen. Da geht also auch was. Das Entscheidente ist m.E., wer als Erster möglichst nah an die natürlichste Schnittstelle herankommt, die in möglichst vielen Situationen verwendet wird. Das Rennen ist also wieder mal eröffnet. Gibt’s eigentlich auch in Deutschland jemanden, der hier mit am Start ist? D.h. also noch jemand außer dem Datenschutzbeauftragten.

http://www.dl2100.de/newsdetails.php?PHPSESSID=5a31116deb37d4b2f39ac689947a64eb&newsid=2051

http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/8917-smartphone-dienste-statt-warteschleife

http://www.service-insiders.de/artikel-maschinen-und-anlagenbau/show/1110/Deutschland-verpennt-die-Potenziale-des-mobilen-Internets

Bernd Stahl
Senior Systems Architect
Nash Technologies GmbH

Ideen für das Future Internet

Bernd Stahl-Votrag beim Innovationsforum von Harvey Nash:

Stellen Sie sich vor, es hätte bei Star Wars schon ein Facebook gegeben und der Kanzler Palpatine, Count Dooku, Jabba the Hut und andere Bösewichte wären miteinander befreundet gewesen. Da hätte Obi-Wan Kenobi sofort herausgefunden, wer hinter der großen Verschwörung steckte und das Ganze wäre geplatzt. Wir gehen in unserem Zukunftsszenario über Star Wars hinaus. Damals gab es noch kein Facebook, keine Suchmaschinen oder semantische Technologien. Es gab zwar R2D2, den bekommen wir aber auch bald.

Künftig wird man von der Kommunikation überhaupt nichts mehr sehen. Die Netzintelligenz kann man überall abrufen – völlig unabhängig von den Endgeräten. Man kommuniziert über Endgeräte, die eigentlich keine mehr sind. Ein Geschäftskunde sagt beispielsweise seiner Armbanduhr, dass er nach Brüssel reisen wolle zu einem möglichst günstigen Preis. Er nennt noch das Datum und die Ankunftszeit. Die Anfrage geht ins Netz rein, das System sucht sich die Reiseportale, schaut nach den Übernachtungsmöglichkeiten und recherchiert völlig eigenständig alle notwendigen Informationen. Zurück kommen die kompletten Reiseunterlagen. Der Geschäftskunde legt seine Armbanduhr auf den Tisch, es erscheint eine 3D-Ansicht und er braucht nur noch das für ihn Relevante auswählen. Man kommuniziert über Sprache mit anderen Systemen, Servern oder Menschen und am Ende kommt etwas zurück. Hier kommt das berühmte Fräulein vom Amt wieder – allerdings vollautomatisiert und virtuell.

Sprache wird eine Zukunft haben, aber anders als in der Vergangenheit. Alles wird gesteuert durch ein hochintelligentes Netz auf Basis semantischer Technologien und völlig neuen Geschäftsmodellen. Der Nutzer muss sich überhaupt keine Gedanken mehr machen über spezielle Endgeräte, die Auswahl von Diensten, das Netzwerk oder Serviceprovider. Er muss kein Ziel mehr eingeben über Telefonnummern, IP-Adressen oder Links. Alles das wird vom intelligenten semantischen Netz übernommen. Die Bedeutung der Anfrage wird automatisch in Einzelteile zerlegt, an unterschiedliche Ziele geschickt und zurück kommt der gewünschte Service oder das fertige Produkt. Dieses Szenario wird in den nächsten zehn Jahren realisiert. Höherwertige Netzinformationen werden eine viel größere Rolle spielen.

Das Bedeutungswissen des Menschen wird immer mehr von Maschinen abgebildet. Viele Mitspieler des Web 2.0 werden semantische Technologien bekommen – das gilt auch für die Endgeräte. Hier liegt eine riesige Chance für Startups. Suche, Social Communities, Robotik oder mobiles Internet erscheinen nicht mehr als Insellösungen. Es wächst alles zusammen. Selbst Roboter werden über das Internet miteinander kommunizieren. Dann sitzt ein R2D2 in Australien und sorgt für die Wartung meiner Solaranlage in der Sahara. Die großen Anbieter wie Google oder Facebook haben noch nicht die bahnbrechenden Ideen, wie das gehen könnte. Aber diese Entwicklung wird kommen, denn die neuen Technologien werden unser Leben einfacher, eleganter und effizienter machen. Hier ein paar Ausschnitte der Rede:

Links zum Thema:

European Future Internet Portal

The Future of the Internet

EU-Forschungsförderung: Future Internet meets Smart Grid?

Konvergenz und Digital Customer Experience

THESEUS-Forschungsprogramm


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