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Ausfallsicherheit für LTE-Netz

Woche für Woche geben die grossen Mobilfunkbetreiber bekannt, dass sie die LTE-Technologie massiv ausbauen. Doch schon jetzt deutet sich an: Auch der UMTS-Nachfolger wird den ursprünglich definierten Anforderungen nicht genügen, die ganze Wirtschaftszweige an das mobile Internet haben: Alles soll über das Internet Protokoll (IP) laufen. Long Term Evolution (LTE) hat in seiner ersten Fassung ein Hinkebein: Während wir mit unseren LTE-Smartphones über das IP-Netz auf das Internet zugreifen werden, telefonieren wir über den Circuit Switched-Standard – vereinfacht gesagt eine Art mobiles ISDN. Es gibt also zwei Leitungen: eine fürs Internet und eine fürs Telefon. Mit dieser Hybrid-Lösung kann das volle LTE-Potenzial nicht ausgeschöpft werden.

An Anwendungsmöglichkeiten für ein leistungsfähiges LTE-Netz mangelt es nicht: Die Automobilindustrie schraubt an ihrer Idee des „Connected Car“ – Autos, in denen das Internet dauerhaft integriert ist. Die Energiebranche tüftelt am Smart Grid – dem intelligenten Stromnetz, das über das Internet gesteuert werden könnte und Energielieferanten und -nutzer miteinander verbindet. Per LTE-Funkzellen könnte im Einzelhandel jeder Supermarkt, oder generell jeder Unternehmenskomplex mit seinem eigenen Internet ausgestattet sein.

Doch für alle denkbaren Applikationen im Markt für Geschäfts- oder Privatkunden braucht es einen Standard, der hundertprozentig funktioniert, im Fachjargon beschrieben als „Quality of Service“ (Dienstgüte) und „Carrier Grade“ (Ausfallsicherheit). Wenn Sie auf Youtube statt einem laufenden Video nur kleine Klötzchen sehen, ärgern sie sich über ihre schlechte Leitung. Wenn ihre Geschäftsprozesse in der Leitung festhängen, vernichten Sie Geld. Die Applikationen der Zukunft werden also an die Internetverbindung viel höhere Anforderungen stellen. Sie treiben die Netztechnologie. Das Internet wandelt sich zum einem multifunktionales Beförderungssystem für alle Arten der Kommunikation, und dafür braucht es eine technologische Basis.

Im IP-Netz werden die Daten in kleine Pakete gepackt und losgeschickt. Doch ab einer Netzauslastung von 35 bis 40 Prozent beginnt die Dienstqualität spürbar abzunehmen; bei Sprachübertragung im Internet kann das schon deutlich früher passieren. Darum werden die Netze überdimensioniert: Wir haben Autobahnen, die weniger stark befahren werden dürfen, als man eigentlich erwarten würde. Experten wie der US-Netzvisionär John Day würden dazu lapidar sagen: „Man kann aus einem Schweineohr keine Seidentasche machen.“ Was so viel bedeutet: Das Internet ist wie es ist. Doch damit wollen wir uns aber nicht zufrieden geben: Wenn wir eine Seidentasche wollen, brauchen wir eben Seide.

Eine Lösung liege im Know How, das in den ISDN- und NGN-Netzen stecke, so der Netzwerk-Spezialist. Denn genau dort sei die Dienstgüte vorhanden, die dem IP-Netz fehlt. Wer telefoniert, der erhält garantierte Netzressourcen. So haben sich zum Beispiel beim Voice Peering im klassischen Telefonnetz und im NGN (Next Generation Network) die Netzbetreiber darauf geeinigt, wie zwischen ihren Netzen abgerechnet wird und wie im Gegenzug die Ressourcen garantiert werden. Solch ein Wissen muss in das Future Internet, also das Internet der nächsten Generation, einfliessen. Dann wird auch das LTE-Netz irgendwann kein Hinkebein mehr haben.


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