Mein Doktor – mein Smartphone

Die Praxisgebühr wird ja bald wieder abgeschafft. Folgt bald auch die eine oder andere Praxis? Wir haben die Praxis doch sowieso schon in der Tasche: via Smartphone. Klingt verrückt, sogar provokant. Ist es deswegen aber falsch? Bevor wir eine Antwort geben, schauen wir vielleicht mal ein bisschen näher hin.

Smartphones sind schon heute der Hauptsensor mit dem viele Firmen gigantischen Datenmengen sammeln. Es beginnt mit Bewegungsprofilen, die aufgezeichnet werden, sobald das gute Stück auch nur online gegangen ist. Suchmaschinen wissen, wann und wo etwas gefragt wurde. Kaufportale kennen die Geschichte der Käufer. Soziale Netze wissen über unsere Beziehungen, Interessen, Vorlieben, etc. Bescheid. Und Dienste wie Siri fangen an, sich all das zu merken, worüber wir sonst noch so mit dem Smartphone sprechen. „Big Data“ wird gesammelt und intelligente Algorithmen werten das alles aus, in wachsenden Geschwindigkeiten, die wir uns immer weniger vorstellen können.

Der User sieht das Smartphone als Gehilfen. Die Firmen, die sich unsichtbar im Netz tummeln, sehen im Smartphone einen intelligenten Sensor für ihre Geschäftsmodelle. Es kommt also auf die Sichtweise an, was man erkennt.

Nur noch ein kleiner Schritt und das Smartphone wird zu einem Sensor for Fitness- und Gesundheitsdaten. Jason Jacobs, der Gründer der Firma RunKeeper geht davon aus, dass das Smartphone schon bald unser neuer Doktor sein wird. Wenigstens zum Teil. Unsere High Tech Begleiter können jetzt schon Fitness-Werte wie die Herzfrequenz ermitteln – ohne externe Sensoren. Und diese Sensoren werden immer kleiner und passen bald in unsere Kleidung, einschließlich Schnittstelle zum Smartphone. Wir hätten dann also die Möglichkeit, weitere Fitness- und Gesundheitsdaten zu erfassen und auszuwerten.

Was bedeutet das für den User, den Patienten? Er hat einen Fitness- und Gesundheitsassistenten immer bei sich, der ihn permanent berät. Der mHealth Report von PWC prognostiziert, dass Patienten mHealth Services verwenden werden, weil ihnen das eine bessere Kontrolle über ihre eigene Fitness und Gesundheit ermöglicht. Dies beginnt mit Wellness-Monitoring-Systemen und endet mit Möglichkeiten zur professionellen medizinischen Ferndiagnose.

Was bedeutet das für den Arzt? Der Hausarzt könnte mit dem Patienten einen Zugriff auf dessen Fitness- und Gesundheitsdaten haben. Darauf aufbauend könnte er einen verbesserten Service bieten. Ein Teil der Gesundheitsdaten wäre bereits vor der Sprechstunde in der Praxis verfügbar und müsste dort nicht erst erfasst werden. Diese Daten hätten außerdem eine bessere Qualität, da sie im wirklichen Leben entstanden sind. Weiterhin könnte der Arzt höherwertige Dienstleistungen anbieten, wie z.B. eine spontane Beratung für den Fall, dass sich Gesundheit oder Fitness verschlechtert. Der Arzt und seine Praxis werden also nicht verschwinden. Aber der Service wird besser und die Menschen gesünder.

Wen betrifft das noch? Krankenkassen: denn hier geht’s ums Geld. mHealth ermöglicht eine verbesserte Gesundheit zu geringeren Kosten. Eine riesige Gelegenheit für individualisierte Bonussysteme. Krankenhäuser: die durchschnittliche Verweildauer kann abgekürzt werden. Senioren: wir können in Würde alt werden, zu Hause.

Nash Technologies hat Anteil an dieser Entwicklung. Sie finden uns natürlich auch auf der Medica, Halle 15 / E04. Wir freuen uns über inspirierende Diskussionen mit Ihnen.

Bernd Stahl

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