„Outbreak“ – keine Killer, aber genauso lautlos im Smart Metering

1995 kam Wolfgang Petersens Biowaffen-Thriller unter dem deutschen Nebentitel „lautlose Killer“ in die Kinos, der etwas vereinfacht darin gipfelt, wie mit einem hochansteckenden Virus umgegangen werden soll. Auf der einen Seite die Philanthropen auf der Suche nach dem Impfstoff, auf der anderen ein austickender US-General, der die besonders einfache und nachhaltige Lösung des noch lokalisierbaren Problems mit einer Aerosolbombe anordnet und am Ende des Films arrestiert wird.

Kein Happy End finden flächendeckende Virusinfektionen üblicherweise im Internet, auch ohne die Option mit der Bombe. Stichworte I Love You, Conficker, Melissa, Nimda, Sasser und viele mehr. Hat mit Smart Metering nichts zu tun? Oder doch? Die BSI-Architektur schreibt ein Smart Metering Gateway als Bindeglied mit Internet-Anschluß zwischen den Zählern zuhause und den Betreibern vor, das optional die Proxy-Funktion für intelligente Hausgeräte übernehmen soll. Auch die Nutzeranfragen über den persönlichen Verbrauch, mit dem Smart Metering dem Endkunden schmackhaft gemacht werden soll, sind von diesem Gateway zu beantworten.

Es verhält sich wie im vorne mit Iriserkennung und Fingerabdruck-Terminal gesicherten Rechenzentrum, in dem die hintere Tür zum Hof verkeilt wurde, damit der Paketbote eine erwartete Lieferung drinnen abstellen kann. Auch wenn das Gateway abgesehen vom sogenannten „Wake Up“ Dienst, mit dem das Gateway Verbindung zum legitimen Betreiber aufnimmt, keinerlei zugängliche Schnittstellen zum öffentlichen Internet exponiert – auf dessen „Rückseite“ soll es Verbindungsversuche aus dem intelligenten Zähler- und Heimnetz bearbeiten können. Gelingt es dem Hacker, solche Heimnetze zu kompromittieren, hat er den gewünschten Ausgangspunkt für den Angriff auf das Gateway. Um hundert Ecken gedacht? Man betrachte das klassische Szenario zur Kaperung von korporativen Netzen: Andocken, Eindringen in einen Rechner, Eskalation von Privilegien, Überspringen auf die anderen Rechner des Netzes. Intelligente Hausgeräte können, müssen aber nicht das Smart Metering Gateway als Brücke zum Internet verwenden – der Anschluß an den hauseigenen DSL-Router ist nicht nur denkbar, sondern für manche Geräte bereits heute Realität. Und letzterer ist nur scheinbar die unüberwindliche Festungsmauer zuhause (kleiner Test: haben Sie das Default-Passwort Ihres DSL-Routers geändert?).

Mehrere Faktoren arbeiten solch einem Szenario zu. Zuerst der Skalenfaktor – es wird nicht unendlich viele Kombinationen aus Gateway und Heimnetzendgeräten geben. D.h. wurde eine Kombination aus DSL-Router/Heimnetzgerät/Gateway „geknackt“, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dieses Muster mühelos – vom heimischen Schreibtisch aus – replizieren zu können. Weder vertiefte Branchenkenntnisse, die das böse Tun zumindest erschweren, noch schwer beschaffbare oder teure Hardware sind notwendige Voraussetzung für den Einstieg. Kunden und Betreiber freuen sich über niedrige Kosten für Endgeräte und Gateways – wenn nicht, werden sie diese zu erzwingen versuchen. Damit ist für Eigenentwicklungen von Betriebssystemen, die einen gewissen Schutz vor Gelegenheitsangreifern bieten, wenig Raum. Sog. „embedded“-Versionen von gängigen Betriebssystemen werden zum Einsatz kommen, die nicht über jeden Zweifel erhaben sind.

Das BSI deutet diese Problematik zwar an, führt sie aber nicht näher aus. Schade. Für die Betreiber. Denn im Fall der flächendeckenden Kompromittierung der Infrastruktur bleiben sie auf diesem Problem der sog. „Business Continuity“ sitzen. Was, wenn im Gateway plazierte Malware dazu führt, daß das Gateway keine oder nur noch manipulierte Verbindungen aufbaut? Datentechnisch ist das Gateway dem Betreiber entglitten. Auch heute schon kein Problem im Einzelfall, der Stoff für das TV-Vorabendprogramm liefert,  – aber ganze Flotten von Montagetrupps, die die gesamte Kundenbasis sequentiell zur Reparatur anfahren? Unrealistisches Szenario? Versuchen Sie doch einfach, sich gegen diesen Fall zu versichern. Wenn es das Problem nicht gibt, verlangt Ihre Versicherung gegen dieses Risiko 0 € Prämie. An dieser Stelle sei einfach die Behauptung aufgestellt, daß nach der Analyse durch den Rückversicherer die Prämie nicht 0 € betragen wird.

Lösungen sind denkbar, jedoch im Hinblick auf den regulatorischen Aspekt nicht trivial. Dies ist nur ein Grund, warum Blaupausen von Standard-IT Lösungen nicht helfen werden. Tiefgehende Analyse der Anforderungen im Hinblick auf denkbare Bedrohungen, sorgsame Auswahl der Lieferanten und vor allem erschöpfende Praxistests werden dem Betreiber der Smart Metering Infrastruktur nicht erspart bleiben.

Wolf-Dieter Wurst
Senior Systems Architect
Nash Technologies GmbH

Mehr Informationen:

Nash Technologies GmbH
Lorenzstraße 10
70435 Stuttgart
Bernd Stahl (zuständig für Pressearbeit)
E-Mail: bernd.stahl@nashtech.com
Fon: +49 711 33501 – 7573.

www.nashtech.com
Blog: https://nashtechblog.wordpress.com/
Twitter: http://twitter.com/#!/NashTechGermany
Facebook: http://www.facebook.com/nash.technologies

0 Responses to “„Outbreak“ – keine Killer, aber genauso lautlos im Smart Metering”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




Nash Tech Fanpage

Twitter us

Enter your email address to follow this blog and receive notifications of new posts by email.

Schließe dich 23 Followern an

Am Besten bewertet

Februar 2012
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829  

Flickr Photos

How Close am I

Sonata

Caution

Mehr Fotos

RSS Technology Review Blogs

  • Eine Frage der Solidarität März 28, 2017
    Tuberkulose zählt bis heute zu den zehn tödlichsten Infektionskrankheiten. Doch das müsste nicht so sein.
  • Im Irrenhaus der Klima-Leugner März 27, 2017
    An Büchern, die vor den Auswirkungen der Erderwärmung warnen und zu konsequenten Klimaschutzstrategien aufrufen, mangelt es nicht. Dieses hier ist anders.
  • Moderne Nachbarschaft März 24, 2017
    Warum die digitale Kommunikation im sozialen Nahbereich manchmal versagt.
  • Lösungen statt Probleme März 23, 2017
    Auf Kongressen wird viel Zeit damit verschwendet, Dinge belegen zu wollen, die ohnehin niemand bezweifelt. Die wirklichen wichtigen Fragen bleiben hingegen oft genug offen.
  • Neuland März 22, 2017
    Was passiert, wenn ein Zeit-Autor versucht, Programmierer zu verstehen? Die Wahrheit wird dich enttäuschen.
  • Peak Plastik März 21, 2017
    Bis 2030 wollen die Vereinten Nationen mit ihrer Agenda wichtige Ziele für die ganze Welt erreichen. Dazu gehört auch die Rettung der Weltmeere vor Verschmutzung und vor allem vor noch mehr Plastik.
  • Punktuelle Ganzkörper-Erfahrung März 20, 2017
    Das Basslet soll die Musik aus dem Smartphone zu einem kraftvollen Klangerlebnis machen. Kann ein Armband das leisten?
  • Themenmolekül: Der N12-Bikini März 17, 2017
    Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Diesmal unter anderem mit Budget Cats, Tontechnik-Historie und wie man in der Küche programmieren lernt.
  • Rot ist das neue Grün März 16, 2017
    Sonderrechte für Radler an roten Ampeln - ein Schritt zur Anarchie im Straßenverkehr?
  • Irgendwie so März 15, 2017
    Die Washington Post will dem Rest der Welt Technik-Jargon auf eine neue Art und Weise erklären. Ist das wirklich eine gute Idee?

%d Bloggern gefällt das: